April 2026 | Markteinschätzung
V+V=?
Nach den deutlichen Kurseinbrüchen im März erlebten die globalen Aktienmärkte im April eine rasante Erholung – die US-Börsen den stärksten Kursanstieg seit November 2020, Schwellenländer legten zweistellig zu.
Es handelte sich um die zweite V-förmige Marktbewegung binnen nur eines Jahres. Nach Trumps Zollankündigungen im April 2025 fielen Aktien zunächst rasant, um sich binnen weniger Wochen wieder Richtung Allzeithöchstständen zu orientieren. Ein Jahr später, nach Trumps Angriff auf den Iran, erleben wir dasselbe Muster: Schnellen Kurseinbrüchen folgen steile Kursanstiege auf neue Allzeithochs.
Dabei sind bis heute die Auslöser für die Kurseinbrüche in beiden Fällen nicht beseitigt – im Gegenteil. Seit dem Wochenende droht Trump erneut mit noch höheren Zöllen, obwohl sich diese bereits durchschnittlich auf Depressionsniveau der 1930er Jahre bewegen. Und die Straße von Hormus ist faktisch unverändert geschlossen und beeinträchtigt die Versorgung weiter Teile der Welt mit Energie, Dünger und dem für die Technologiebranche so wichtigen Helium.
Beide Auslöser dürften über die Zeit stark stagflationär auf die Weltwirtschaft wirken, aktuell zeigen sich Bremswirkung wie Inflation aber noch moderat.
Vor diesem unsicheren Hintergrund muten die Aktienmärkte im Kollektiv ein wenig irrational an, FOMO (die Angst etwas zu verpassen) scheint die entscheidend treibende Kraft auf der Käuferseite. Neben der Marktpsychologie basiert der offensichtliche Optimismus jedoch auf drei Annahmen, die zwar sportlich, aber nicht völlig ausgeschlossen sind.
1. TACO (Trump always chickens out). Es wird unterstellt, dass, bevor es in Wirtschaft und an den Kapitalmärkten zu dramatischen Verwerfungen kommen würde, Trump einen Rückzieher machen wird. Die letzten Wochen und Monate haben immer wieder gezeigt, dass Abstand von Zolldrohungen und Angriffsszenarien genommen wurde, wenn auch nur temporär.
2. Hoffnung auf Zinssenkungen. Sinkendes Konsumentenvertrauen und ein angeschlagener Arbeitsmarkt in den USA begründen die Hoffnung eines Zinssenkungszyklus – gleichzeitig vermittelt die zunehmend politische Zusammensetzung des US-Notenbankrates das Potenzial, dem Wunsch des Präsidenten folgend, die Zinsen zu senken. Fakt ist aber, dass die Notenbanken die aktuelle Datenlage kaum belastbar einordnen können, zu unsicher sind die Wirkungen und Wechselwirkungen von Zöllen und dem Irankrieg, aber auch direkte Folgen des vermehrten Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI). So wirken Zölle und Krieg zwar stagflationär, Optimisten sehen aber in der KI einen langfristig stark deflationär wirkenden Faktor, was Zinssenkungen begünstigen würde.
Die Entscheidung der US-Notenbank FED im April, die Zinsen unverändert zu lassen, folgte einem sehr differenzierten 8:4 Votum. Es ist der größte festgestellte Dissens in der Notenbank seit 1992. Unterschätzt wird ferner die Debatte um die Politisierung der Notenbank, also das Untergraben ihrer Unabhängigkeit. In Zeiten maximaler Staatenverschuldung steigen die Risiken, dass traditionelle Anleihekäufer für ihre gestiegenen Risiken höher kompensiert werden wollen, die Idee von niedrigeren Zinsen nicht akzeptiert wird.
3. KI und Daten wie Szenarien zu Produktivitätssteigerung und Investitionspotenzial in den kommenden Jahren. Während im Vorfeld der Berichtssaison Zweifel an der Monetarisierbarkeit der Tausende Milliarden schweren Investitionen, vor allem der sieben großen Megacaps, aufkamen, scheinen sie aktuell eher verflogen. Über die kommenden fünf Jahre wird eine jährliche Investitionssteigerung von über 30 % für den Technologiesektor erwartet. Die Produktivitätsschübe für die Unternehmen und die gesamte Wirtschaft sollen jene der Internet-Ära um die Jahrtausendwende bei weitem übertreffen. Natürlich lassen sich die vorgestellten Prognosen nicht wirklich belasten – ein stückweit sind es „hopes and dreams“, also Hoffnungen und Träume, die sich nicht für alle realisieren lassen werden. Aber während in der jetzt laufenden Berichtssaison bei den Megacaps wie Alphabet, Microsoft und Meta vermehrt auf die Gewinnsteigerungen geschaut, weiter steigende Investitionen eher skeptisch eingeordnet wurden, sah dies für andere Unternehmen der zweiten Reihe anders aus. Sobald Unternehmen als „Enabler“ (Ermöglicher) betrachtet werden und Umsatzsteigerungen in Aussicht stellten, schnellten die Kurse durch die Decke. So konnten sich eine amerikanische SanDisk und Intel im letzten Monat im Kurs verdoppeln. Im Kurs verdoppelt hat sich auch die britische Ceres, die Brennstäbe für die Energieversorgung der an die Kapazitätsgrenzen stoßenden Rechenzentren liefern soll.
Optimisten verweisen gerne auf die Tatsache, dass die Aktienmärkte trotz gestiegener Kurse günstiger geworden seien – da die Gewinnererwartungen für die Zukunft noch stärker gestiegen sind. Diese Gewinnerwartungen basieren jedoch auf zahlreichen Annahmen – drei davon haben wir näher vorgestellt. Auf Basis der laufenden Unternehmensgewinne sind vor allem die US-amerikanischen Börsen in ihrer historischen Betrachtung wieder sehr teuer.
Neben all den geschilderten Unwägbarkeiten um Zölle und den Iran bleiben der US-Arbeitsmarkt und die Hoffnungen im Bereich KI die entscheidenden Faktoren für die Entwicklung der kommenden Monate. Dann werden neben den reinen Investitionssummen auch wieder die Frage nach der Monetarisierbarkeit und Kapitalrendite in den Vordergrund treten. Besonderes Augenmerk dürfte auch dem Quartalsbericht von Nvidia gelten – am 20. Mai. Wie immer ist hier alles möglich – von der Fortsetzung der Euphorie bis hin zu einem Kipppunkt.
Wir konnten von den Marktentwicklungen im April stark profitieren, die fondsbasierten Strategien sollten die Kursanstiege vorm Wochenende etwas zeitverzögert abbilden.
Angesichts des widersprüchlichen Umfeldes und einer unberechenbaren Marktdynamik sehen wir weiter Vorteile in einer nach Chancen und Risiken ausgewogeneren Portfoliostruktur und einer höheren Liquiditätsquote. Neubewertungen und Favoritenwechsel sind in den kommenden Wochen sehr wahrscheinlich.
Frankfurt am Main, 4. Mai 2026, Thomas Böckelmann
Unsere Fonds

Quelle: Bloomberg, GSR D-Capital
Stand: Wertentwicklung per 30. April 2026
Märkte

Quelle: Bloomberg, GSR D-Capital
Stand: Wertentwicklung per 30. April 2026
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