Mai 2026 | Markteinschätzung

Verdeckter Wachstumsschock

Die zu erwartende, aber von Aktienmärkten weitgehend ignorierte Bremswirkung der US-amerikanischen Zollpolitik und des Iran-Krieges auf die Weltwirtschaft offenbarte sich im Mai in signifikanten Kürzungen der Wachstumsprognosen führender Institutionen. Im vergangenen Monat meldeten sich die Weltbank, die OECD, die Europäische Kommission sowie die US-Notenbank FED mit schwächeren Prognosen für die Jahre 2026 und 2027. Dabei zeigt sich die vorherrschende regionale Verteilung mit Wachstumsvorteilen für die USA, einer ausgewogenen Region Asien und den Wachstumsverlierern in Europa. Zu den Ursachen regionaler Unterschiede haben wir uns anderer Stelle schon oft geäußert.

Die relative Wachstumsschwäche trifft die Welt in einer Zeit steigender Inflation, ausgelöst durch Zollpolitik, Irankrieg und deren unmittelbaren Folgen für die Energie- und Rohstoffversorgung und somit der Verteuerung globaler Lieferketten. Das Stagflationsszenario ist somit real und die Abwägungen internationaler Notenbanker, die Zinsen wieder anzuheben, durchaus nachvollziehbar. Nach der Fehleinschätzung einer nur „temporären“ Inflation nach Corona möchte man diesen Fehler nicht wiederholen und einer Verstetigung steigender Inflationserwartungen frühzeitig entgegenwirken. Während Wachstumsregionen wie USA und Asien Zinssteigerungen abfedern könnten, dürften diese in Europa den wirtschaftlichen Abstieg weiter beschleunigen.

Völlig unbeeindruckt vom Wachstumsschock einerseits und denkbaren Zinserhöhungsszenarien andererseits, präsentierten sich die internationalen Aktienmärkte im Mai mit neuen Allzeithöchstständen in vielen Regionen von Deutschland bis in die USA. Der koreanische Aktienmarkt legte im Mai sogar 28 % zu und hat sich damit seit Jahresbeginn verdoppelt. Das Gewicht von Technologieunternehmen im Bereich Halbleiter und Künstliche Intelligenz bestimmt die Steiggeschwindigkeit eines Index – daher klare Vorteile für die USA und damit den Weltaktienindex, aber auch für asiatische Teilmärkte wie Korea.

Dass auch europäische Aktienmärkte trotz niedrigen Technologieanteils in den Indizes und relativer Energie- und Rohstoffabhängigkeit steigen konnten ist vor allem markttechnisch mit einer Sogwirkung zu erklären, fundamental am ehesten mit regional spezifischen Entwicklungen wie Infrastruktur und Verteidigung. Aber anders als in den Vormonaten, konnte Europa nicht mehr von amerikanischen Investoren profitieren – diese rotieren eher wieder zurück in die USA und in die Schwellenländer, zu stark ist die Enttäuschung angesichts des unverändert vorherrschenden Reformunwillens in Europa.

Steigende Aktienindizes konnten den wirtschaftlichen Wachstumsschock zwar überdecken, unter der glänzenden Indexoberfläche wachsen jedoch die Divergenzen zu einer K-förmigen Entwicklung – vor allem in den USA. Das zeigt sich auch in der letzten Berichtssaison, wo sehr wenige Unternehmen durch astronomisch hohe veröffentlichte Gewinne die Gewinnaggregate eines Index nach oben zogen, während die Mehrheit der Unternehmen eher unterdurchschnittlich ablieferte. Für den amerikanischen NASDAQ100 gilt, dass lediglich 20 Unternehmen für 71 % der veröffentlichten Unternehmensgewinne verantwortlich zeichnen. Ähnliche Maßstäbe gelten für markttechnische Indikatoren, nach denen die Indexentwicklung nur durch sehr wenige Titel dominiert ist und der Median deutlich unter dem Durchschnitt liegt.

Vielfach werden Parallelen zum Jahr 2000 gezogen, aber tatsächlich ist diesmal vieles anders. Zumindest bis heute – denn bislang wird die Rallye getrieben von extrem margen- und gewinnstarken Unternehmen. Die positive Zukunft von Künstlicher Intelligenz ist unbestritten – einige Entwicklungen und somit Potenziale stehen erst am Anfang. Der Phantasie sind nur Grenzen durch Energieversorgung, Finanzierbarkeit und Regulierung gesetzt.

Aber die jetzt anstehenden drei Neuemissionen OpenAI, SpaceX und Anthropic sind allesamt unprofitabel und streben dabei eine Bewertung von 5.000 Mrd. USD an, allein die Platzierungen sollen den Kapitalmärkten etwa 200 Mrd. USD entziehen. Da die Titel wohl schnell in Indizes aufgenommen werden, sind ETFs zum Kauf zu jedem Preis verpflichtet. Fundamental orientierte Investoren werden sich aber überlegen, ob die Euphorie hält und man mit einem Erwerb den Technologieanteil im Portfolio erhöht, gegebenenfalls die etablierten Unternehmen zugunsten der neuen Hypes reduziert oder einfach abwartet.

Diese drei Neuemissionen sind der Lackmustest für den KI-Hype der letzten Monate und könnten unter Umständen einen Stimmungswandel an den Aktienmärkten einleiten, falls keine positiven Signale bezüglich der Straße von Hormus und Zinsdebatten die Transaktionen begleiten.

In den kommenden Wochen ist daher Wachsamkeit geboten – unter Umständen muss man schnell reagieren. Wir haben zu diesem Zweck die Kassenquoten etwas erhöht.

Frankfurt am Main, 1. Juni 2026, Thomas Böckelmann

Unsere Fonds

2026_04 Unsere Fonds

Quelle: Bloomberg, GSR D-Capital
Stand: Wertentwicklung per 29. Mai 2026

Märkte

2026_04 Marktindizes

Quelle: Bloomberg, GSR D-Capital 
Stand: Wertentwicklung per 29. Mai 2026

Rechtliche Hinweise

Dies ist eine Werbemitteilung. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Erträge. Die GSR D-Capital GmbH übernimmt keine Gewähr dafür, dass eventuell im Rahmen des Monatsberichts abgegebene Marktprognosen erzielt werden. Das Urheber- bzw. Leistungsschutzrecht bleibt bei der GSR D-Capital GmbH. Die Bearbeitung oder jede sonstige Art der Veränderung solcher Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte außerhalb der Grenzen des Urheberrechts in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist ohne ausdrückliche Zustimmung des Autors nicht gestattet. Die durch uns erstellten Inhalte und Werke auf diesen Seiten unterliegen dem deutschen und internationalen Urheberrecht. Alle auf den verschiedenen Seiten genannten und ggf. durch Dritte geschützten Marken- und Kennzeichen unterliegen uneingeschränkt den Bestimmungen des jeweils gültigen Marken- und/oder Kennzeichenrechts sowie den Besitzrechten der jeweiligen eingetragenen Eigentümer. Allein aufgrund der bloßen Nennung ist nicht der Schluss zu ziehen, dass die jeweiligen Marken- oder Kennzeichen nicht durch Rechte Dritter geschützt sind.

Alle hier abrufbaren Inhalte werden Ihnen lediglich als werbliche Information zugänglich gemacht. Die Artikel dienen ausschließlich der unverbindlichen werblichen Information und stellen weder ein Angebot noch eine Beratung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers, eines Finanzinstruments oder einer Finanzanlage noch eine Bestätigung von Bedingungen eines Geschäfts dar. Sie können eine anleger- und anlagegerechte Beratung durch Ihre Bank oder einen anderen unabhängigen Finanzberater vor dem Abschluss eines Wertpapiergeschäfts nicht ersetzen. Diese Information stellt keinen Prospekt dar und ist nicht als Entscheidungsgrundlage für die Beurteilung einer hierin beschriebenen Anlagemöglichkeit gedacht. Den Chancen eines Finanzinstruments stehen stets auch entsprechende Risiken wie z. B. Kursschwankungen oder Ausfallrisiken gegenüber. Die in Bezug genommenen Wertpapiere können im Wert steigen oder fallen. Potenziellen Anlegern wird daher empfohlen, sich vor einer Anlageentscheidung eingehend über die Wertpapiere und die damit verbundenen Risiken zu informieren.

Verkaufsunterlagen und weitere Informationen zu in Bezug genommenen Wertpapieren (insbesondere Verkaufsprospekt, Anlagebedingungen, aktuelle Jahres- und Halbjahresberichte und wesentliche Anlegerinformationen) können Sie in deutscher Sprache unter www.euroswitch.de abrufen.

Alle Inhalte wurden nach bestem Wissen und sorgfältiger Prüfung erstellt. Gleichwohl können wir Irrtümer oder Druckfehler nie völlig ausschließen. Auch ist die Gültigkeit der Informationen auf den Zeitpunkt der Erstellung dieser werblichen Information beschränkt. Die aktuellen politischen oder wirtschaftlichen Entwicklungen der Märkte, die Änderung gesetzlicher Bestimmungen oder andere wesentliche Umstände können dazu führen, dass die hier dargestellten Informationen, Daten und Meinungsäußerungen gegebenenfalls auch kurzfristig ganz oder teilweise überholt sind. Änderungen dieses Dokuments bleiben daher ebenfalls vorbehalten.